Britisch vs. Amerikanisch – wo ist der Unterschied?

Sie können den Unterschied schnell erkennen, indem Sie folgendes machen:
Zuerst lauschen Sie einer der berühmten (Wut)Reden von US-Präsident Donald Trump. Anschließend ist der britische Premierminister Boris Johnson an der Reihe. Fällt Ihnen etwas auf? Mal vom Inhalt ganz abgesehen? Beide sprechen Englisch und trotzdem ist irgendetwas anders. Ganz genau: Denn das britische und amerikanische Englisch sind ganz schön unterschiedlich – unterschiedlicher als gedacht. Werfen wir einen Blick auf die größten Unterschiede zwischen dem britischen und amerikanischen Englisch.

Englisch vs. Amerikanisch – die Aussprache

Zurück zu unserem Trump-Johnson-Vergleich: Was fällt Ihnen als Erstes auf? Ist es die Aussprache? Zu Recht fragen Sie sich, ob beide Politiker wirklich dieselbe Sprache sprechen. Gerade beim [r] sollten Sie die Ohren spitzen. Amerikaner legen großen Wert auf das [r] – egal, wo es im Wort auftaucht. Ob „more“, „mother“ oder „road“ – das [r] ist deutlich zu hören. Den Briten ist das [r] nicht ganz so wichtig. Am liebsten lassen sie es unter den Tisch fallen. Nur am Wortanfang sprechen sie es als R-Laut aus, zum Beispiel bei „red“, „roses“ oder „random“. In allen anderen Positionen wird das [r] zum vokalischen Laut. Sprich: Es hört sich an wie ein [a]. Ziehen wir als Beispiele „nowhere“ und „tiger“ heran. Klingt es aus dem Mund eines Briten nicht eher wie „nowhea“ oder „tiga“?

Genauso uneinig sind sich die Briten und Amerikaner beim [a]. Der Brite spricht einen langgezogenen A-Laut, zum Beispiel [paath], [claas] oder [haalf]. Der Amerikaner bevorzugt ein Ä wie [päth], [cläs] oder [hälf].

Auch beim [t] kommen die Briten und Amerikaner nicht auf einen gemeinsamen Nenner. Die Briten bleiben beim [t], die Amerikaner normalerweise auch. Nur in der Wortmitte verwandelt sich das [t] plötzlich in ein weiches [d]. Das klingt dann ungefähr so: [wader], [meder], [lader].

Englisch vs. Amerikanisch – die Rechtschreibung

Englisch ist gleich Englisch? So einfach macht es uns die Weltsprache leider nicht. Für die Verwirrung dürfen Sie sich bei Samuel Johnson bedanken. Als er 1755 das Dictionary of the English Language verfasste, bediente er sich verschiedener Dialekte. Sprich: Verschiedene Aussprachen bildete er einfach mit demselben Schriftbild ab. Weitgehend freundeten sich die Amerikaner mit Johnsons Vorschlag an. Nur bei einigen Wörtern besserten sie ein klein wenig bei der Rechtschreibung nach. In anderen Worten: Sie amerikanisierten das Vokabular nach ihrem Geschmack.

Ein paar Beispiele gefällig? Aus dem britischen [theatre] machten die Amerikaner [theater], um ihr charakteristisches [r] beibehalten zu können. Auch mit [organise] (BE) waren sie nicht kompromisslos einverstanden. [Organize] mit stimmhaften S [z] passte ihnen besser ins Konzept.

Übrigens: Der britische Comedian Eddie Izzard hat eine andere Erklärung für die unterschiedlichen Schreibweisen: Die Briten behalten sich ihre Schreibweise bei, um beim Scrabble besser schummeln zu können. Schließlich schreiben sie noch immer einige Buchstaben, die sie eigentlich gar nicht mehr sprechen. Wo er recht hat, hat er recht. Hier ein paar Beweise:

  • color (AE) vs. colour (BE)
  • behavior (AE) vs. behaviour (BE)
  • humor (AE) vs. humour (BE)
  • flavor (AE) vs. flavour (BE)

Englisch vs. Amerikanisch – der Wortschatz

Amerikaner, die in Großbritannien „Chips“ bestellen, erleben manchmal ihr blaues Wunder. Statt Kartoffelchips kommt ihnen Fish and Chips auf den Tisch. Der Grund: Auch beim Vokabular sind sich die Briten und Amerikaner nicht immer ganz einig. Bei diesen Vokabeln bleiben sie ihrer eigenen Linie treu:

  • Wohnung: flat (BE) vs. apartment (AE)
  • Urlaub: holiday ( BE) vs. vacation (AE)
  • Keks: biscuit (BE) vs. cookie ( AE)
  • Pullover: jumper (BE) vs. sweater (AE)
  • Fußball: football (BE) vs. soccer (AE)
  • Briefkasten: postbox (BE) vs. mailbox (AE)
  • Turnschuhe: trainer (BE) vs. sneaker (AE)
  • Pommes Frites: chips (BE) vs. fries (BE)
  • Film: film (BE) vs. movie (AE)
  • Garten: garden (BE) vs. yard (AE)
  • Geldbeutel: purse (BE) vs. wallet (AE)
  • U-Bahn: underground (BE) vs. subway (AE)

Englisch vs. Amerikanisch – die Grammatik

Bei der Grammatik ist doch wohl alles gleich, oder? Nicht unbedingt. Auch hier stimmen das Britische und Amerikanische nicht zu 100 % überein.

Die Präpositionen

On, of oder in – na, was denn nun? Vom Englisch lernen in der Schule kennen wir den Präpositions-Wirrwarr nur zu gut. Doch es kommt noch schlimmer: Sobald wir beim Sprachenlernen denken, das Präpositions-Rätsel endlich gelöst zu haben, kommen noch die britisch-amerikanischen Unterschiede dazu. Und das Rätseln geht wieder von vorne los:

  • am Wochenende: at the weekend (BE) vs. on the weekend (AE)
  • an Weihnachten: at Christmas (BE) vs. on Christmas (AE)
  • Montag bis Freitag: Monday to Friday ( BE) vs. Monday through Friday (AE)
  • anders als die anderen: different from the others (BE) vs. different than the others (AE)

Past Simple oder Present Perfect?

Simple Past, Present Perfect, Simple Present – erinnern Sie sich noch an den Kampf mit den englischen Zeiten? Dass das Britische und Amerikanische unterschiedliche Zeiten verwenden, macht es nicht unbedingt besser:

  • Ich habe zu viel gegessen: I eat too much (AE) vs. I´ve eaten too much (BE)
  • Hast du die Zeitung gelesen: Have you read the newspaper (BE) vs. Did you read the newspaper (AE)

Die Sache mit dem Past Participle

Wir kennen gotten als das Past Participle von get. In Großbritannien ist gotten längst aus dem Wortschatz verschwunden – zu altmodisch, zu schwerfällig. In Amerika aber steht gotten immer noch hoch im Kurs. Zum Beispiel: Endlich ist sie über Michael hinweg. Der Brite würde sagen: She’s finally got over Michael. Der Amerikaner würde sagen: She’s finally gotten over Michael.

Singular oder Plural?

Selbst beim Singular und Plural schmieden sich die Briten und Amerikaner ihre ganz eigenen Regeln. Spätestens beim Sprachenlernen raufen wir uns deswegen noch die Haare.

Im britischen Englisch hat der Sprecher die Qual der Wahl: Sammelnomen wie Team oder Gouvernment funktionieren sowohl als Singular als auch als Plural. Anders im amerikanischen Englisch. Hier ist bei Sammelnomen der Singular Pflicht. Sehen wir uns ein Beispiel an: Der Brite würde sagen: My team are/is well prepared. Der Amerikaner würde sagen: My team is well prepared. Noch ein weiteres Beispiel: Der Brite würde sagen: The gouvernment are/is doing a great job. Der Amerikaner würde sagen: The government is doing a great job.

Wie gesagt:
das britische und amerikanische Englisch sind ganz schön unterschiedlich.